Chinas rasanter Aufstieg vom Schwellenland hin zur zweitstärksten Wirtschaftsmacht  der Welt  hat gerade einmal gut 30 Jahre gedauert. Wobei die schiere Größe des Landes, der Bevölkerungsreichtum mit gut 1,38 Milliarden Einwohnern sowie das Wanderarbeitertum wesentliche Faktoren dabei sind. Sagt Dr. Yufang Zhu von der Togi-Universität. Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Europa skizzierte als Gastreferentin an den Multimedia Berufsbildenden Schulen (MMBbS) vor gut 200 IT-Auszubildenden des ersten Lehrjahres die Entwicklungsgeschichte Chinas und verglich die Kenndaten mit Deutschland – auf Einladung von Schulleiter Joachim Maiß.
 
Die mmbbs pflegt seit 2011 eine selbst initiierte Schulpatenschaft mit der Vocational School of Commerce in  Fuzhou/China. Alle zwei Jahre besucht man sich wechselseitig. „Bei meinen ersten Besuchen in China war ich tief beeindruckt und habe festgestellt, dass ich viel zu wenig weiß von dem Land und den Zusammenhängen. Gerade IT- und Medienschaffende, die wir ja ausbilden, werden in ihrem Berufsalltag künftig deutlich mehr mit China zu tun haben als wir heute. Da ist es hilfreich, schon einmal zu erfahren,  was die Chinesen antreibt und welche Interessen das Land verfolgt“, sagte Maiß einleitend, der Dr. Zhu bei seinem letzten Aufenthalt in China kennengelernt hat. Da die Wissenschaftlerin aktuell für zwei Semester einem Lehrauftrag an der Uni Karlsruhe hat,  nutzte er die Gunst der Stunde und lud sie ein.
 
Die 1949 gegründete Volksrepublik China öffnete sich  nach dem Ende der Kulturrevolution und dem Tod von Staatsgründer Mao Ze Tung langsam und entwickelte sich in Folge der Reformpolitik von Deng Xiaoping in den folgenden Jahrzehnten zur wirtschaftlichen und technologischen Großmacht. „In den 1980er Jahren öffnete sich die soziale Marktwirtschaft immer weiter. Kleine Märkte erwuchsen zu riesigen Handelszentren. Sonderwirtschaftszonen zogen das internationale Kapital an. Und plötzlich war China die Werkbank der Welt. Das Heer der Wanderarbeiter hat den Aufstieg erst ermöglicht“, sagte Dr. Zhu und zeigte auch die Kehrseite der Medaille auf: Die gigantische Luft- und Umweltverschmutzung.
 
Mit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation 2001 dynamisierte sich der Prozess weiter. Wobei Chinas Reichtum sehr ungleich verteilt ist. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich 2016 auf 11, 2 Billionen US-Dollar. „Von der Entwicklung sind viele Menschen in zahlreichen ländlichen Provinzen abgekoppelt“, sagte Dr. Zhu und untermauerte dies mit offiziellen Wirtschaftskennzahlen. Perspektivisch  soll China zum Hochtechnologieland aufsteigen. Robotik, IT oder Elektromobilität sind die tragenden Wirtschaftspfeiler. Parallel dazu erschließt China neue Handelswege, schafft eine neue „Seidenstraße“, die dann auch den Aufschwung in den westlichen Provinzen ermöglicht. Seit 2011 investieren Chinesen zunehmend im internationalen Ausland, um neue Märkte zu erschließen und Knowhow zu transferieren.
 
Eineinhalb Stunden geballte Informationen aus dem Reich der Mitte warfen kaum mehr Fragen auf. Ein Beispiel für die Wirtschaftskraft beindruckte nachhaltig: Binnen 24 Stunden erwirtschaftete die Handelsplattform „Alibaba“ am umsatzstärkten Handelstag des Jahres (2016) nur in China 18 Milliarden Dollar. Im Vergleich: Amazon brachte es am Primeday über 30 Stunden nur auf eine Milliarde Dollar – weltweit.